Theater Münchenstein - Stück
 

"Der Kreidekreis"

Spiel in fünf Akten, Uraufführung 2. Januar 1925

Der Mandarin Manadi hat den Seidenraupenzüchter Tschang durch seine unerbittlichen Forderungen in den Tod getrieben. Die Familie Tschang ist ruiniert, und so verkauft die Mutter ihre schöne Tochter Haitang in ein Freudenhaus. Dort verliebt sich der Prinz Pao in die schöne Haitang und will sie auskaufen, doch er wird von Manadi überboten, der sich Haitang zur Zweitfrau nimmt. Als sie ein Kind zur Welt bringt, wird die kinderlose Erstfrau Yüpei eifersüchtig und fürchtet, von ihrem Mann verlassen zu werden und alles zu verlieren. Sie vergiftet Manadi kurzerhand und gibt sich als die wahre Mutter des Kindes aus. Den Mord an ihrem Gatten hängt sie der wehrlosen Haitang an, die vom korrupten Richter Tschu zum Tode verurteilt wird. Auch Haitangs Bruder Ling, wird wegen umstürzlerischer Umtriebe verurteilt.
Doch da wendet sich das Schicksal: Prinz Pao ist mittlerweile Kaiser geworden und will das Reich reformieren. Er ruft alle zum Tode Verurteilten und deren Richter in die Hauptstadt. Vor dem Kaiser wird der Fall Haitangs neu verhandelt. Pao zeichnet einen Kreidekreis auf den Boden und die beiden Frauen sollen das Kind aus dem Kreis ziehen. Yüpei reisst das Kind brutal zu sich, Haitang hingegen lässt es fahren, um ihm nicht weh zu tun. Da erkennt der Kaiser, wer die wahre Mutter ist. Auch der Gattenmord kann aufgeklärt werden. Yüpei und der korrupte Richter Tschu sollen von Haitang verurteilt werden, doch die lässt die beiden frei. Wer kann andere richten, wenn er doch selbst nicht ohne Schuld ist.
Schliesslich gesteht der Kaiser, dass er sie damals nächtens besucht und beglückt hat, als Haitang schlief. Sie selbst hatte immer geglaubt, diese Liebesnacht nur geträumt zu haben. Das Kind, so stellt sich heraus, ist des Kaisers Sohn, und Haitang wird Paos Frau und Kaiserin.

 

Klabund

* 4. November 1890 in Crossen an der Oder; † 14. August 1928 in Davos
eigentlich Alfred Georg Hermann Henschke, war ein deutscher Schriftsteller.

Klabund
Henschke wählte das Pseudonym Klabund nach ersten Veröffentlichungen im Jahr 1912. Der Name Klabund geht auf einen in Norddeutschland geläufigen Familiennamen (Apothekersname) zurück und wird vom Autor unter anderem als Zusammensetzung aus den beiden Wörtern Klabautermann und Vagabund erklärt. Ab 1916 gab er dem Pseudonym eine weitere Bedeutung, nämlich „Wandlung“. Damit spielte er auf seinen Gesinnungswandel im Ersten Weltkrieg an. Nachdem er den Krieg anfänglich begrüßt hatte, wandelte sich seine Einstellung unter dem Einfluss seiner Lebensgefährtin (und späteren Ehefrau) Brunhilde Heberle.

Alfred Henschke war der Sohn des Apothekers Dr. Alfred Henschke aus Frankfurt (Oder) und dessen Frau Antonia. Während einer Wanderung durchs Riesengebirge im Alter von 16 Jahren erkrankte er durch eine verschleppte Erkältung zunächst an einer Rippenfellentzündung und danach an Tuberkulose. Die Krankheit sollte Klabund sein kurzes Leben lang begleiten und ihm nebst vielen Kurreisen (Italien, Davos etc.) größere finanzielle Probleme bereiten.
Nach dem Abitur, das er 1909 mit besten Noten am Humanistischen Friedrichsgymnasium in Frankfurt (Oder) bestand, studierte er erst Chemie und Pharmazie in München, wechselte jedoch bald die Fächer und studierte Philosophie, Philologie und Theaterwissenschaften in München, Berlin und Lausanne. Bereits in München erhielt er Zugang zur Bohème und machte unter anderem die Bekanntschaft von Frank Wedekind. 1912 brach er das Studium ab.
Ein erster Band mit Gedichten erschien 1913 in Berlin unter dem Titel Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern! Sein erster Roman trägt den Titel Der Rubin. Roman eines jungen Mannes. Der Roman sollte im Verlag von Erich Reiß erscheinen; der Beginn des Ersten Weltkriegs sowie Auseinandersetzungen zwischen Autor und Verlag verhinderten das Erscheinen. Der Roman eines jungen Mannes erschien posthum im Jahr 1929 bei Phaidon in Wien.
Den Ersten Weltkrieg begrüßte er anfangs begeistert, wie nicht wenige andere Schriftsteller auch, und verfasste eine Reihe patriotischer Soldatenlieder. Zum Militär wurde Klabund nicht eingezogen, da mittlerweile diagnostiziert worden war, dass beide Lungenflügel von Tuberkulose befallen waren. Die Jahre bis zu seinem Tod hielt er sich häufig in Schweizer Lungensanatorien auf.
In dieser Zeit begann er damit, sich mit fernöstlicher Literatur zu beschäftigen, die er in der Folge häufig übersetzte und bearbeitete. So übertrug er Gedichte des persischen Dichters Hafis unter dem Titel Der Feueranbeter in die deutsche Sprache.
Im Laufe des Krieges wandelte sich Klabund zum Kriegsgegner. Im Tessin schloss er sich einem Kreis pazifistischer deutscher Emigranten an, die eng mit dem Monte Verità von Ascona verbunden waren. In der Villa Neugeboren in Monti sopra Locarno, die er mit seiner Geliebten bezog, wohnten oder verkehrten um dieselbe Zeit Ernst Bloch, Hermann Hesse, Emmy Hennings, Else Lasker-Schüler und der Naturprophet Gusto Gräser.
Dass Klabund trotz seiner pazifistischen Haltung weiter unbehelligt zwischen der Schweiz und Deutschland hin und her reisen konnte, erklärt sich durch einen 2007 bekannt gewordenen Umstand: So war er während der Jahre 1917/18 als Informant des deutschen Militärnachrichtendienstes tätig. Dessen Vertreter am Grenzübergang Lindau räumt im April 1918 ein, dass Klabund „fortlaufend befriedigend im militärischen Nachrichtendienst in der Schweiz“ arbeite.
1918 heiratete er seine Geliebte Brunhilde Heberle. Sie starb jedoch schon im selben Jahr nach einer Frühgeburt. Vier Monate später, am 17. Februar 1919, starb auch das Kind. Im Jahr seiner Eheschließung erschien mit dem Roman Bracke Klabunds erfolgreichstes Prosawerk, eine Eulenspiegel-Erzählung. 1920 widmete er seiner Freundin und Muse Marietta di Monaco den kurzen Liebesroman Marietta. Am 5. Mai 1925 heiratete Klabund die Schauspielerin Carola Neher, mit der er eine turbulente Ehe führte (häufige Trennungen, Affären Nehers etc.)
1925 wurde Klabunds Drama Der Kreidekreis in Meißen uraufgeführt. Der Autor hatte sich hierbei an der chinesischen Dichtung orientiert, in deren Mittelpunkt der Richter Bao Zheng steht und die ihm in der Übersetzung von Anton Eduard Wollheim da Fonseca vorgelegen hat. Die Berliner Aufführung im selben Jahr machte das Stück zum großen Erfolg, so dass Adaptionen folgten: Alexander von Zemlinsky komponierte auf der Grundlage des Dramas die Oper Der Kreidekreis (1933) und Bertolt Brecht verfasste das Theaterstück Der kaukasische Kreidekreis (1948). In den folgenden Jahren schrieb Klabund regelmäßig für Kabaretts wie zum Beispiel Schall und Rauch. Seine volkstümlichen, an den Bänkelsang angelehnten Gedichte und Lieder erreichten in diesen Jahren ihre größte Popularität.
Im Mai 1928 erkrankte er bei einem Italienaufenthalt an einer Lungenentzündung, die zusammen mit seiner nie ausgeheilten Tuberkulose lebensbedrohlich wurde. Zur Behandlung wurde er nach Davos gebracht, wo er kurz darauf verstarb.